Chronische Schmerzen und Rückenmarkstimulation (SCS)

Anhaltende Schmerzzustände sind für die Betroffenen zermürbend und schränken ihre Lebensqualität ein. Helfen konservative Therapien hier nicht weiter, kann in vielen Fällen ein Schmerzschrittmacher für Linderung sorgen.

ORTHOpress: Interview mit Dr. Ntoukas

Häufige Fragen bei den chronischen Schmerzen

Chronische Schmerzen sind kontinuierliche, langfristige Schmerzen, die länger als 6 Monate anhalten oder Schmerzen, die länger andauern, als üblicherweise für die Heilung einer Verletzung oder Erkrankung anzunehmen ist1. Es kann verschiedene Ursachen für chronische Schmerzen geben. Sie können die Folge einer Erkrankung oder Verletzung sein, die eigentlich ausgeheilt ist. Sie können sich aber auch ohne offensichtlichen Grund entwickeln2. Man nimmt an, dass Veränderungen im Nervensystem dafür verantwortlich sind3. Häufige Arten chronischer Schmerzen sind Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Nervenschmerzen. In Europa sind Rückenschmerzen die am häufigsten genannte Form chronischer Schmerzen4.
Chronische Schmerzen beeinflussen die Lebensqualität stark; sie bringen körperliche Behinderungen mit sich, führen zu einer Einschränkung der Sozialkontakte und verringern Energie und Vitalität5. Die Aktivitäten des täglichen Lebens werden immer beschwerlicher, insbesondere wenn die Schmerzen stark sind. Wegen der Schmerzen können viele Patienten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Es kann sich verheerend auswirken, wenn Menschen über einen langen Zeitraum unter Schmerzen leiden. Viele Patienten neigen dadurch zu Depressionen oder Medikamentenabhängigkeit6.
Die Rückenmarkstimulation (SCS) ist eine minimal invasive Therapiemöglichkeit für Patienten mit chronischen Schmerzen, bei denen Medikamente oder andere Behandlungsansätze keine Wirkung gezeigt haben. SCS wurde erstmals 1967 eingesetzt und ist eine reversible Methode zur Behandlung chronischer Schmerzen, die schon bei über 350.000 Patienten weltweit eingesetzt wurde7.
Die häufigsten klinischen Indikationen für eine SCS-Therapie umfassen:
  • Rückenschmerzen bzw. kombinierte Rücken-Beinschmerzen.
  • Failed-Back-Surgery-Syndrome (FBSS): Ein Oberbegriff für anhaltende Schmerzen im unteren Rücken und den Beinen, die auch nach Wirbelsäulenoperationen oder anderen Interventionen nicht behoben werden können.
  • Complexes regionales Schmerzsyndrom ("Complex Regional Pain Syndrome" (CRPS)): Ein meist durch Traumata verursachtes Syndrom, das in verschiedenen Formen auftreten kann und sich in brennenden Schmerzen, erhöhter Empfindlichkeit der Sinnesorgane, vor allem Kälte-, Hitze- und Schmerzempfindlichkeit der Haut (Hyperästhesie), Schwellung, übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose) und trophischen Änderungen der Haut und der Knochen in den betroffenen Bereichen äußern kann. Auch eine periphere Nervenstimulation kann zur Behandlung angezeigt sein.
  • Periphere Neuropathie: Erkrankung bzw. Störung des peripheren Nervensystems.
  • Austherapierte Angina pectoris(Herzschmerzen)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (aAVK)
  • Phantomschmerz (Amputationsschmerz)
  • Schmerzen nach Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie)
  • Polyneuropathie
  • Morbus Raynaud
  • Thrombangiitis obliterans
  • Therapierefraktäre Kopfschmerzen
Ja. SCS ist nachweislich sicher und wirksam und wird schon seit Jahrzehnten eingesetzt8. Weltweit wurden bereits über 350.000 Menschen erfolgreich mit dieser Therapie behandelt7.
In Studien wurde die Wirksamkeit der Rückenmarkstimulation mit der anderer Schmerzbehandlungsmethoden, wie der Behandlung mit konventionellen Medikamenten und wiederholten Wirbelsäulenoperationen, verglichen9. Hier konnte ein messbarer Vorteil für die mit SCS behandelten Patienten dokumentiert werden10.
Patienten, die eine SCS-Therapie erhalten, können davon ausgehen, weniger Schmerzen zu empfinden. Der Grad an Schmerzlinderung durch die SCS-Therapie ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Einige Patienten sind anschließend völlig schmerzfrei, andere erleben eine beträchtliche Linderung ihrer Schmerzen.

Wie funktioniert die Rückenmarkstimulation?

Bei der Rückenmarkstimulation wird ein batteriebetriebener "implantierbarer Impulsgenerator" (IPG) unter die Haut implantiert für gewöhnlich oberhalb des Gesäßes oder am Bauch. Vom IPG gehen eine oder mehrere Elektroden aus, die die Nervenfasern im Rückenmark stimulieren. Eine Änderung der Stromstärke und anderer Parameter der Stimulation, die über die Elektroden verabreicht wird, kann zu einer Schmerzlinderung führen. Die elektrischen Impulse überlagern das Schmerzsignal durch ein leichtes Kribbeln, das man Parästhesie nennt. Die verschiedenen Programme erlauben es den Patienten, das Gerät auf Schmerzen unterschiedlicher Art oder diverse Lebenslagen (Sitzen, Liegen) zu verschiedenen Tageszeiten einzustellen.

Bestandteile eines SCS Systems

Ein SCS System besteht aus folgenden Komponenten:

Der Stimulator

Der “Motor” des gesamten Systems, da er die elektrischen Impulse erzeugt. Die Stimulatoren gibt es als wiederaufladbare und nicht-wiederaufladbare Systeme. MRT fähige Geräte ermöglichen unter spezifischen Bedienungen auch Ganzkörper-MRT-Scans. Der Arzt und Patient entscheiden je nach Krankheitsbild und Lebensweise, welches Gerät verwendet werden sollte.

Die Elektroden

Die „Impulsübermittler“, sind kleine Metalldrähte mit diversen Kontakten, Längen und Breiten. Hier entscheidet der Arzt u.a. aufgrund des Schmerzbildes sowie anatomischer Gegebenheiten, welche Elektrodenkonfiguration zum Einsatz kommt.

Die kabellose Fernbedienung

Über die Fernbedienung erhält der Patient die Möglichkeit das System an- und abzuschalten, Programme zu wechseln (z.B. je nach körperlicher Aktivität) und die Stimulation entsprechend anzupassen (intensivieren oder reduzieren).

Das Ladegerät

Bei wieder-aufladbaren Stimulatoren ist noch ein Ladegerät notwendig, damit das System kontinuierlich aufgeladen und eine dauerhafte Stimulation ermöglicht wird. Hierzu gibt es eine Basisstation und ein schnurloses Ladegerät. In der Basisstation wird das mobile Ladegerät aufgeladen. Mit dem aufgeladenen mobilen Ladegerät kann dann der implantierte Akku wieder aufgeladen werden (Induktion). Dazu wird das Ladegerät über die Implantationsstelle gehalten. Um das Ladegerät zu befestigen, kann entweder ein Pflaster oder der mitgelieferte Gurt benutzt werden. Da das Ladegerät leicht und kabellos ist, kann es bequem und einfach aufgeladen werden, ohne das tägliche Leben zu beeinträchtigen.

Literaturangaben

  1. Hornberger et al. Rechargeable Spinal Cord Stimulation Versus Nonrechargeable System for Patients With Failed Back Surgery Syndrome: A Cost-Consequences Analysis Clin J Pain 2008;24:244-252
  2. Policy Connect. About Chronic Pain. http://www.policyconnect.org.uk/cppc/about-chronic-pain Accessed March 2012
  3. Policy Connect. About Chronic Pain. http://www.policyconnect.org.uk/cppc/about-chronic-pain Accessed March 2012
  4. Breivik H et al. Survey of chronic pain in Europe: prevalence, impact on daily life, and treatment. Eur J Pain 2006;10:287–333.
  5. Smith BH et al. The impact of chronic pain in the community. Fam Pract 2001;18:292–9.
  6. Galluzi. Management of neuropathic pain. Journal of the American Osteopathic Association. 2005;sup 4 (105):S12-S19
  7. North RD, et al. Spinal Cord Stimulation versus repeated lumbosacral spine surgery for chronic pain: A randomized controlled trial. Neurosurgery 56:98-107, 2005
  8. Krames E.S., Monis S., Poree L., Deer T., Levy R. 2011. Using the SAFE Principles When Evaluating Electrical Stimulation Therapies for the Pain of Failed BackSurgery Syndrome.Neuromodulation 2011; 14: 299–311
  9. North RD, et al. Spinal Cord Stimulation versus repeated lumbosacral spine surgery for chronic pain: A randomized controlled trial. Neurosurgery 56:98-107, 2005
  10. Kumar K, et al. The Effects of Spinal Cord Stimulation in Neuropathic Pain Are Sustained: A 24-month Follow- up of the Prospective Randomized Controlled Multicenter Trial of the Effectiveness of Spinal Cord Stimulation. Neurosurgery. 2008 Oct;63 (4):762-70.

Freundliche Unterstützung der Firma Boston Scientific bei der Erstellung der Homepage

Bilder und Texte von Boston Scientific Corporation zur Verfügung gestellt. Alle angegebenen Marken sind das Eigentum ihrer jeweiligen Besitzer
Das Precision MontageTM MRT SCS-System bietet nur dann sicheren Zugang zu Ganzkörper-MRTScans, wenn es zusammen mit Avista MRT-Elektroden und gemäß den spezifischen Bedingungen im MRT-Umfeld verwendet wird, die in den MRT-Richtlinien des Precision MontageTM Rückenmarkstimulationssystems definiert werden.
ACHTUNG: Diese Produkte dürfen nur durch oder im Auftrag eines Arztes erworben werden. Indikationen, Kontraindikationen, Warnhinweise und Gebrauchsanweisungen sind der dem Gerät beigelegten Beschreibung zu entnehmen. Informationen zum Gebrauch nur in Ländern mit Produktregistrierungen bei den zuständigen Gesundheitsbehörden.
NM-86505-AA JUL2012 / NM-86507-AA JUL2012 / NM-86508-AA JUL2012 NM-422305-AUG2016 © 2016 Boston Scientific Corporation or its affiliates. All rights reserved.